Eine Geschichte von grosser Musikalität, schweren Schicksalsschlägen und dem Ursprung unseres heutigen Stiftungsauftrags.
Die Musik als stetige Trösterin
Ellen Hess wurde am 2. August 1902 im Toggenburg geboren und wuchs in Wattwil auf.
Ihre ausserordentliche musikalische Begabung führte sie an die Konservatorien von Lausanne, Genf und Zürich, wo sie ihr Diplom im Geigenspiel erlangte.
Über viele Jahre hinweg prägte sie die st. gallische Konzertgeschichte entscheidend mit, insbesondere durch ihren Platz bei den ersten Geigen im Städtischen Orchester St. Gallen.
Ein historischer Sitzplan eines Konzertes in der Tonhalle St. Gallen aus dem Jahr 1960 dokumentiert eindrücklich ihren angestammten Platz in den vordersten Reihen.
Wissensweitergabe und philosophischer Diskurs
Neben ihrer eigenen Orchesterkarriere widmete sie sich der Pädagogik. Ab 1952 unterrichtete sie mit lodernder Begeisterung Geige im internationalen Kinderdorf Pestalozzi in Trogen.
Ihr Zuhause, das traditionsreiche "Haus zum Mohren" im Wattwiler Ortsteil Bunt, war stets ein Ort der Gastfreundschaft und der klassischen Hausmusik.
Ellen Hess war jedoch auch eine tiefgründig suchende Persönlichkeit: Ein erhaltener Briefwechsel aus dem Jahr 1952 mit dem Schriftsteller Hermann Hesse bezeugt ihre intensiven philosophischen Fragen nach dem Sinn des Lebens, dem Alter und der Endlichkeit.
Der Ursprung der Stiftungs-Idee
Trotz ihrer Erfolge war das Leben von Ellen Hess zunehmend von Schatten geprägt.
Nach dem Scheitern ihrer Ehe erlebte sie Phasen tiefer Isolation und notierte schmerzlich: "vergessen kann man nie und auch unter vielen Menschen ist und bleibt man immer einsam".
Mitte Mai 1961 erlitt sie eine schwere Hirnblutung, von der sie körperlich gezeichnet blieb und zeitweise auf Krücken angewiesen war. Der schwerste Schlag traf sie jedoch 1969, als sie sich altershalber aus ihrem geliebten Orchester zurückziehen musste – ein Schritt, der sie zutiefst unglücklich machte.
Sie verstarb am 24. Januar 1973 im Krankenhaus Wattwil.
Das persönliche Leid von Ellen Hess – der Schmerz über den krankheits- und altersbedingten Verlust des aktiven Musizierens, die körperlichen Einschränkungen und das Gefühl der Vereinsamung – bildet heute das moralische Fundament unserer Stiftung.
Aus ihrer Lebensgeschichte erwuchs der klare Auftrag, bedürftigen Musikern in genau diesen Lebensphasen zur Seite zu stehen, ihnen Würde zu bewahren und den Kontakt zur Musik nie abreissen zu lassen.
